Bamberger Linke Liste (BaLi)
Bamberg, 18.06.2019
Antrag an den Stadtrat:
Feststellung des Klimanotstands
Der Stadtrat beschließt die Resolution zur Ausrufung des
Klimanotstands in der im Anhang befindlichen Form.
Die Verwaltung wird zur zusammenhängenden einschlägigen
Berichterstattung aufgefordert sowie zur Prüfung folgender Maßnahmen, die
einem beschleunigten und umfassenderen Erreichen der Klimaschutzziele dienen
sollen und die dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden:
A) Bericht über Stand und
Entwicklung der CO2-Emissionen in der Stadt Bamberg
Die Verwaltung unterrichtet den
Stadtrat und die Öffentlichkeit
-
über den aktuellen Stand der CO2-Emissionen im Stadtgebiet Bamberg,
-
über die diesbezügliche Entwicklung
seit 1990,
-
über die diesbezüglichen kurz-,
mittel- und langfristigen Zielsetzungen der Stadt Bamberg,
-
über die zu erwartenden und möglichen
Entwicklungen,
-
über die Maßnahmen, die die Stadt
Bamberg dazu bereits ergriffen, diskutiert oder in der Planung hat (v.a. aus dem Maßnahmenkatalog aus der
Potentialanalyse des IfE) oder die als Möglichkeiten in Betracht gezogen werden
(jeweils mit Kosten und erzieltem oder zu erwartendem Effekt)
Dabei werden jeweils die einzelnen
Quellen der CO2-Belastung
(insbesondere Stromverwendung, Wärmeverwendung, Verkehr) betrachtet und
quantitativ (Menge der CO2-Belastung bzw. -Einsparung) dargestellt. Soweit einschlägig,
berichten auch die städtischen Beteiligungen zu ihrem jeweiligen Wirkungskreis.
B) Klimaneutrale
Energieversorgung von Neubauten
Soweit die Stadt z.B. über
städtebauliche Verträge, Grundstückskaufverträge und Erbbaurechtsverträge über
eine entsprechende Handhabe verfügt, wird für Neubauten eine in der
Jahresbilanz klimaneutrale Energieversorgung mit möglichst hohem Anteil lokal
verfügbarer regenerativer Energien als Ziel fixiert. Dies gilt auch für
Neubauten durch die städtischen Betriebe und Beteiligungen, insbesondere durch
die Stadtwerke Bamberg GmbH.
Bei den einschlägigen baulichen
Vorhaben werden auch die Größenordnung der damit verbundenen "grauen
Emissionen" (Emissionen durch die Erstellung der Gebäude) und dabei
mögliche Optimierungsmöglichkeiten dargelegt. Geprüft wird, ob sich durch die
klimaneutrale Energieversorgung ein Zielkonflikt zum geförderten Wohnungsbau
ergibt.
C) Mobilitätsmanagement für die
Gesamtstadt
Die Stadt Bamberg prüft verschiedene
Möglichkeiten, CO2-Emissionen
durch den motorisierten Individualverkehrs einzusparen und erstattet darüber
bis zum Jahresende 2019 einen Bericht gegenüber Stadtrat und der
Öffentlichkeit. Einen wichtigen Platz nehmen dabei die Möglichkeiten ein, den
ruhenden und fließenden Verkehr (z.B. durch Verkehrsberuhigungen und
Geschwindigkeitsreduktionen) zu steuern und die Inanspruchnahme des
Umweltverbunds attraktiver zu gestalten.
Hierzu wird die Einrichtung einer
Stelle eines/r Mobilitätsmanagers/einer Mobilitätsmanagerin bei der Stadt
Bamberg geprüft, der/dem zunächst die Prüfung und Erarbeitung der o.g.
Maßnahmen obliegt.
D) Energiemanagement
für städtische und Sanierung nicht-städtischer Gebäude
Der o.g. Bericht (Punkt A) bezieht
sich gesondert auf den Status der städtischen Immobilien in puncto Energie-
und Wärmeversorgung und -verbrauch; er legt dar, mit welchen Kosten und ggf.
langfristigem Gewinn welche CO2-Einsparungen möglich sind. Er prüft, inwieweit die Einrichtung
einer Stelle zum Energiemanagement einen schnelleren und effektiveren
Umstellungsprozess ermöglicht.
Der o.g. Bericht schließt auch den aktuellen Stand und die
vergangene und künftige Entwicklung des Dämmungs- und Energieverbrauchs-Status
des nicht-öffentlichen Gebäudebestands in Bamberg ein. Die Verwaltung (ggf.
der/die Energiemanager*in) prüft mehrere Varianten zur Sanierung des
Gebäudebestands und legt sie dem Stadtrat zur Beschlussfassung vor.
E) Umweltbeirat
Die Stadtverwaltung prüft die
Einrichtung eines Umweltbeirats mit Antrags- und Beteiligungsrechten, dem
fachkundige Mitglieder der lokalen Organisationen mit Bezug zum Umweltschutz,
Naturschutz und Energiemanagement angehören.
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Begründung:
Der lokale
Beitrag der Stadt Bamberg zur Klimawende wird schwerpunktmäßig über die mit dem
Landkreis gebildete "Klimaallianz" geleistet.
Die
Klimaallianz hat sich in den bisherigen 10 Jahren ihres Bestehens mit ihrem
Einsatz dafür hervorgetan, die CO2-schädlichen fossilen
Energieträger zurückzubauen und die Energieversorgung in Stadt und Landkreis
Bamberg stattdessen zunehmend mehr mit klimafreundlichen regenerativen
Energien zu bewerkstelligen.
Die
Allianz hat sich eine klimaneutrale Energieversorgung bis zum Jahr 2035 zum
Ziel gesetzt, das Zwischenziel für 2020 lautet auf 60% der Stromversorgung aus
erneuerbaren Energien. Im Jahr 2017 betrug dieser Anteil 48,5%.
Die
Allianz hat im Jahr 2014 eine umfangreiche Analyse erstellt, in welcher das
Potential in Stadt und Landkreis zur Einsparung von Energie und zur Ausweitung
regenerativer (statt fossiler) Energieerzeugung aufgezeigt und in ihrer
Größenordnung ermittelt wird. Diese Studie hat auch eine Vielzahl von Maßnahmen
beschrieben, die diesen Zielen sachdienlich sind.
Diese
Aktivitäten der Klimaallianz greifen dennoch entschieden zu kurz. Bei einer
Weiterführung der Aktivitäten in der bisheriger Weise und im bisherigen Tempo
wird die Stadt Bamberg ihren Anteil an einer rechtzeitigen Klimawende bei
weitem nicht erbringen können.
Zu dieser
Bewertung führen folgende Betrachtungen:
- Die in der
Klimaallianz formulierte Zielsetzung der Reduktion der schädlichen CO2-Gase
bis 2020 um 20% im Vergleich zu 1990 ist zu gering angesetzt; die Zielsetzung
soll - analog zu den Zielsetzungen der Bundesregierung - erhöht werden auf eine
Reduktion des CO2 um 40%.
- Die Bemühungen zum
Klimaschutz innerhalb der Klimaallianz sind konzentriert auf den Bereich der
Verwendung und des Verbrauchs von elektrischer und Wärmeenergie; CO2-Emissionen
aus lokalem Verkehr, der global ca. 20% der Treibhausgase verantwortet,
sind nur vereinzelt Gegenstand der Betrachtungen und der Bemühungen.
- Hoch gewichtige
weitere Quellen der CO2-Belastung werden von Bamberger*innen extraterritorial
verursacht (durch Konsum, Nahrung, usw.); diese Effekte liegen nicht im direkten
Aufgabengebiet und Einflussbereich der Kommunen und bleiben in der Klimaallianz
deshalb ebenfalls außen vor, sie können und müssen aber nicht vollständig außer
Acht gelassen werden.
- Konkrete
Zielsetzungen und dokumentierte Fortschritte in der Klimaallianz beziehen sich
nur auf den Verbrauch von elektrischer, nicht auf den Verbrauch von Heizungsenergie,
während diese letztere in etwa doppelt so viel Energie verwendet als die
elektrische Energie.
So bezieht
sich die Zielsetzung der "60 % erneuerbaren Energien bis 2020" ebenso
wie die Erfolgsmeldung "48,5% erneuerbare Energien in 2017" nur auf die Stromerzeugung, nicht auf die
Wärmeerzeugung. Die Projektion aus der Potentialanalyse auf das Jahr 2030 für
die Erzeugung von Wärmeenergie aus erneuerbaren Quellen beläuft sich für
die Stadt Bamberg auf lediglich 17%!
- Erfolgsberichte
aus der Klimaallianz, z.B. des Erreichens von 48,5% erneuerbaren Energien bei
der Stromerzeugung, ergeben sich bei einer Mittelung über die die gesamte Allianz
(Stadt und Landkreis); der Erfolg geht aber überwiegend auf die Möglichkeiten
im Landkreis zurück: Die Stadt Bamberg verzeichnet zu diesem Zeitpunkt einen
Erneuerbare-Energien-Anteil von lediglich 15,4%.
- Aus den Daten zur
Potentialanalyse lässt sich - für die Stadt Bamberg, elektrischen und
Wärmeenergieverbrauch zusammengenommen - ermitteln, dass der CO2-Ausstoß
im Jahr 2014 bei etwa 610.000 Tonnen lag, im Jahr 2030 wir er bei etwa 490.000
Tonnen liegen. In dieser Geschwindigkeit wird das existenzielle Ziel einer
klimaneutralen Energieerzeugung insgesamt bis 2050 offensichtlich weit
verfehlt werden.
- Für den Bereich der
CO2-Reduktion beim elektrischen und Wärmeenergie-Verbrauch sind für
einzelne Kommunen, auch für die Stadt Bamberg, Maßnahmen genannt; vom
überwiegenden Anteil dieser Maßnahmen ist nicht bekannt, ob oder wie weit sie
(schon) umgesetzt wurden, ob und inwieweit deren Umsetzbarkeit geprüft oder
bestätigt wurde; es ist nicht bekannt, ob sie einen signifikanten positiven
Effekt auf die CO2-Reduktion entfalten, wie groß dieser ggf. ist,
wie weit uns dieser Effekt ggf. auf dem Ziel zu einer klimaneutralen
Energieversorgung bringt; für eine planbare, kontrollierbare, zielgerechte und
zielfokussierte Herangehensweise ist das eine Grundvoraussetzung.
Aus dieser
Bestandsaufnahme folgt, dass auch in der Stadt Bamberg die Anstrengungen für
eine Klimawende intensiviert werden und
deutlich über das bisherige Maß hinausgehen müssen. Die formulierte Resolution
soll die unmissverständliche ernste Absicht der Stadt Bamberg dazu festschreiben.
Mit der Prüfung der vorgeschlagenen weiterführenden Maßnahmen sollen konkrete
Ansatzpunkte dafür gewonnen oder als Arbeitsaufträge aufgenommen werden.
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Resolution zum Klimanotstand
Der
Stadtrat der Stadt Bamberg
a) erklärt den
Klimanotstand und erkennt damit die Eindämmung der Klimakrise und ihrer
schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität an.
b) erkennt an, dass
die bisherigen Maßnahmen und Planungen nicht ausreichen, um die Erderwärmung
auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
c) berücksichtigt ab
sofort die Auswirkungen auf das Klima bei jeglichen
Entscheidungen,
und
bevorzugt Lösungen, die sich positiv auf Klima-, Umwelt- und Artenschutz
auswirken.
Hierzu wird für sämtliche politische Beschlussvorlagen ab sofort ein Kästchen
„Auswirkungen auf den Klimaschutz“ mit den Auswahlmöglichkeiten „Ja,
positiv“,
„Ja, negativ“ und „Nein“ verpflichtender Bestandteil. Wird die Frage mit „Ja,
positiv“
oder „Ja, negativ“ beantwortet, muss die jeweilige Auswirkung in
Zusammenarbeit
mit dem Klimaschutzbeauftragten in der Begründung dargestellt
werden.
d)
stellt fest, dass der bisherige und vorgesehene Beitrag der Stadt Bamberg und
ihrer Beteiligungen zum Klimaschutz unzureichend ist und die Anstrengungen dazu
deutlich intensiviert werden müssen. Prüfaufträge zu zusätzlichen Maßnahmen und
Berichte der Verwaltung und der städtischen Beteiligungen sind daher Gegenstand
des Beschlussvorschlags für die Sitzung des Stadtrats vom 23.07.2019
e)
fordert den Oberbürgermeister auf, dem Stadtrat und der Öffentlichkeit halbjährlich
über den jeweils aktuellen Stand, über laufende, geplante und angedachte
Maßnahmen, Fortschritte und Schwierigkeiten bei der Reduktion der Emissionen in
der Stadt Bamberg Bericht zu erstatten. Soweit
einschlägig, berichten auch die städtischen Beteiligungen zu ihrem jeweiligen
Wirkungskreis.
f)
fordert auch andere Kommunen, die Bundesländer und die Bundesrepublik
Deutschland
auf,
dem Vorbild der Stadt Bamberg und anderer Kommunen zu folgen und den Klimanotstand
auszurufen. Insbesondere macht er Land und Bund darauf aufmerksam, dass ein
vollständiges Einhalten der Klimaschutzziele auf kommunaler Ebene unter den
derzeitigen Rahmenbedingungen noch nicht möglich ist. Erst mit weiteren
Maßnahmen, darunter dem vollständigen Abbau weiterhin bestehender Subventionen
für fossile Energieträger, mit einer sozial gerecht ausgestalteten CO2-Bepreisung,
mit einer grundlegend veränderten Verkehrs- und Agrarpolitik und mit einer
klimaschutzkonformen Förderung des sozialen Wohnungsbaus, wird hierfür das
dringend benötigte Fundament gelegt.
Bamberg,
den 23.07.2019
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