Freitag, 1. August 2014

Gebäude-Erhalt auf dem Konversionsgelände: Untragbare Kosten oder Gewinn?


Spätestens seit der ARENA 4 und dann wieder auf der letzten Sitzung des Konversionssenats stand die Frage im Zentrum der Debatte, ob und wie der derzeitige Wohngebäudebestand, etwa 2500 Wohnungen, in den neuen Stadtteil übernommen werden kann oder soll. Eine Frage, die weiterhin und immer stärker bewegt.

Untragbare Leerstandskosten?
Stadtverwaltung und Planungsbüros der Profressoren Selle und Wachten scheinen - sofern sie das überhaupt jemals angedacht haben - dem Erhalt des gesamten Wohnungsbestands keine große Chance einzuräumen. Sie rechnen vor, dass man viele Jahre benötigen würde, bis alle bestehenden Wohnungen von Wohnungssuchenden belegt wären. Grob gerechnet: 10 Jahre würde es dauern, wenn der gesamte (veranschlagte) Wohnungsneubedarf von jährlich 250 Wohnungen auf das US-Gelände kanalisiert werden könnte. Die letzten Wohnungen würden dann in den 10 Jahren Leerstand entweder verrotten, oder der Leerstand würde sehr hohe Kosten für den Erhalt der Gebäude verursachen. In der ARENA 4 wurden z.B. Kosten von 3,8 Millionen € im ersten Erhaltungsjahr ins Feld geführt - wenn man 1900 Wohnungen zu 100 qm erhalten möchte.

Gewinn durch Leerstandsinvestition!
Die obige Argumentation und Betrachtung kommt so daher, als wären die "Leerstands"- Kosten einfach rausgeschmissene Gelder. Sie lässt  gänzlich außer acht, dass es sich um Kosten handelt, die Werte schaffen  - oder besser: Werte erhalten.
Durch die Aufwendungen zur Leerstandsbetreuung rettet, d.h. erhält man Wohnraum in Hülle und Fülle. Nach obigem Rechenbeispiel 1900 Wohnungen, die man nicht neu bauen muss. Für den Neubau von 1900 Wohnungen sind mindestens 178 Millionen aufzuwenden, wie eine Vergleichsberechnung zeigt. Mit der Leerstandswartung spart man also Neubaukosten in einer Höhe, hinter der die genannten Kosten für den Leerstanderhalt geradezu verblassen.
Bei dieser Betrachtung stellen sich die sog. Leerstandskosten mit 11,6 Millionen (in der Besiedlungszeit) keineswegs als eine erdrückende und abschreckende Last dar, sondern als eine extrem lukrative Investition, die weit mehr als den 10-fachen Ertrag bringt.

Leerstand ein Phantom?
Langdauernder Wohngebäude-Leerstand wird in der bisherigen Diskussion als eine handfeste Gegebenheit angenommen, welche merkliche Kosten verursacht. Ob Leerstand aber wirklich in der diskutierten Größenordnung anfällt, das ist zu bezweifeln.
Die Leerstandsdebatte wurde durch Stadtverwaltung und das Planungsbüro angestoßen, indem sie eine Bedarfsgröße von 250 "benötigten" Wohnungen in Bamberg pro Jahr ins Spiel gebracht haben. Zu dieser Bedarfszahl gelangt die Stadtverwaltung, indem sie das Neubauvolumen in den letzten 10 Jahren registriert und diese Neubautätigkeit als Maß für den benötigten Wohnraum verwendet. Mit dieser Neubautätigkeit wurde aber der benötigte Wohnraum offensichtlich nicht geschaffen. Der bestehende Bedarf wird unzulässigerweise mit der realisierten Nachfrage gleichgesetzt und damit unterschätzt.
Der wahre Bedarf liegt - nach einschlägigen Studien der Stadt Bamberg ! - weitaus höher, nach unseren eigenen berechnenden Abschätzungen (hier zu finden) liegt er in einer Größenordnung, dass eine vollständige Besiedlung der bestehenden Wohnungen in 5 Jahren oder weniger denkbar ist. Die Leerstandsdauer und folglich die Leerstandskosten fallen demnach weit geringer aus. Ein angestrengtes Bemühen um sofortige Zwischennutzungen der Gebäude könnte den Leerstand noch weiter und gegen Null senken.
Eine realistische Abschätzung des bestehenden Wohnungsbedarfs und folglich der Leerstandskosten erscheint uns für die weiteren Planungen hoch bedeutsam. Mit weit größerem Nachdruck als bisher gilt es Überlegungen zur weitgehenden Vermeidung von Leerstand anzustellen. Sie werden Gegenstand nachfolgender Veröffentlichungen sein.

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Exkurs/Nachtrag:
Kostenvergleich: Leerstand versus Neubau von Wohnungen
In der ARENA 4 wurden Kostenabschätzungen für den angenommenen langdauernden Gebäudeleerstand auf der Konversionsfläche präsentiert - wenn man den Gebäudebestand (1900 Wohnungen) vollständig erhalten will. Kosten für den Neubau einer entsprechenden Gesamtwohnfläche wurden dort nicht angesprochen.
Der nachfolgende Kostenvergleich zwischen den beiden Entwicklungsvarianten beruht auf folgenden
Vorgaben:
    Leerstands- bzw. Neubaukosten bei/von 1900 Wohnungen (wie im ARENA 4-Beispiel);
    dabei aber 600 Wohnungen zu 120 qm (in den Bereichen Pines/Flynn/Ziegelanger) und 1300 Wohnungen zu 50 qm (in den Mannschaftsgebäuden), insgesamt also 137.000 qm; das ARENA4-Beispiel war einheitlich von 1900 Wohnungen zu 100 qm ausgegangen, was den Gebäudebestand nicht gut widerspiegelt;
    Leerstandskosten von 20 € pro qm und Jahr (unbesehen aus dem Rechenbeispiel der Verwaltung übernommen);
    Leerstandskosten auch in der Zeit der Verhandlungen mit der BImA bis zur Übernahme der Gebäude (2 Jahre Dauer angenommen)
    Annahme einer Belegung von 250 Wohnungen pro Jahr (165 kleine, 85 große Wohnungen, insgesamt 18.450 qm); also die äußerst konservative Belegungsgeschwindigkeit, wie von der Stadtverwaltung zugrundegelegt;
    Neubaukosten von 1300 € pro qm, also im unteren Bereich der Neubaukosten, die für Bayern allgemein im Bereich zwischen 1100 € und 1700 € gehandelt werden;

Berechnung der Neubaukosten:
137.000 qm  x  1.300 €/qm = 178.100.000 (178,1 Millionen)

Berechnung der Leerstandskosten:
     2 Jahre bis Übernahme         137.000 qm  x  20 €/qm x 2 Jahr   = 5.480.000
     1. Jahr:                         137.000 qm  x  20 €/qm x 1 Jahr   = 2.740.000
     2. Jahr:                         118.550 qm  x  20 €/qm x 1 Jahr   = 2.371.000
     3. Jahr:                         100.100 qm  x  20 €/qm x 1 Jahr   = 2.002.000
     usw. jedes Jahr 250 Wohnungen (18.450 qm) neu belegt
     insgesamt:                                        17.068.000 (17,1 Millionen)
     insgesamt (ohne beide Verhandlungsjahre)        11.588.000 (11,6 Millionen)

Vergleichs-Ergebnis:
Die Neubaukosten liegen um ein Vielfaches höher als die Leerstandsaufwendungen. Der Kostenvergleich, vor allem, die enormen Kosten (178 Millionen) für den Wohnungsneubau in diesem Ausmaß, zeigt schlagartig eines: die Bereitstellung günstigen Wohnraums mit der Konversion ist nicht einfach damit zu bewerkstelligen, dass massenhaft Neubauwohnungen neu dazukommen; es bedarf kostengünstigen Wohnraums durch Erhalt der bestehenden Wohngebäude.

Anmerkungen:
     Man beachte, dass auf der Neubau-Seite dieser Gegenüberstellung keine Grunderwerbskosten berücksichtigt sind - weil diese sich in beiden Fällen (vermutlich in vergleichbarer Höhe) aufzuwenden sind (Kauf der Fläche von der BImA).
     Es sind auch keine Gebäudeerwerbskosten eingerechnet - weil diese in beiden Fällen (vermutlich in vergleichbarer Höhe) aufzuwenden sind.
     Es sind auch keine Erschließungskosten eingerechnet. Das Vergleichsergebnis würde also auch dann noch in dieser überwältigenden Höhe für Erhalt statt Neubau sprechen, wenn für den Erhalt der Wohngebäude eine neue Infrastruktur erforderlich sein sollte. Andernfalls fiele der Vergleich noch deutlicher für den Erhalt aus.
     Es sind auch keine Abrisskosten eingerechnet - diese würden das Vergleichsergebnis noch weiter zugunsten des Gebäudeerhalts verändern

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